Rassereinheit - eine Frage der Definition?

Vom Anhangregister zum Stammbuch

Eintragung ins Schweizerische Hundestammbuch (SHSB)

  • Generation 0
    Hund mit unbekannter oder nicht anerkannter Abstammung → Anhangregister

  • Generation 1–3
    Nachkommen zugelassener Hunde → weiterhin Anhangregister

  • Generation 4
    Hunde gelten nun als reinrassig → Eintragung ins reguläre SHSB


Kurz gesagt: Nach drei Generationen im Anhangregister werden Hunde ab der 4. Generation als reinrassig anerkannt und ins Stammzuchtbuch aufgenommen.

Ein Hund mit gültiger FCI-Ahnentafel gilt offiziell als reinrassig im Sinne der Zuchtordnung. Genetische Tests können diese Reinrassigkeit bestätigen, sind aber für die Ausstellung der Urkunde nicht notwendig.

Genetische Tests in der Hundezucht – Chancen und Grenzen

Seit der Verfügbarkeit von DNA-Tests werden Rassehundeklubs zunehmend mit Zertifikaten von Genetik-Laboren konfrontiert. Diese sollen entweder helfen, Zuchtbetrug (z. B. falsche Angaben zu Elterntieren oder Ahnen) aufzudecken oder die Reinrassigkeit eines Hundes bzw. eines gesamten Wurfes zu bestätigen.

Für eine Vaterschafts- oder Elternschaftsanalyse sind DNA-Vergleiche heute praktisch unfehlbar: Die Zuverlässigkeit liegt bei nahezu 100 %.

Anders sieht es jedoch bei Nachweisen zur Reinrassigkeit aus:

  • Einkreuzungen in der 3.–4. Generation können oft nur noch mit 60–80 % Wahrscheinlichkeit erkannt werden – abhängig von Testverfahren und Referenzdatenbank.

  • Einkreuzungen vor mehr als 4–5 Generationen lassen sich in der Praxis meist nicht mehr zuverlässig nachweisen. Hunde können also als „reinrassig“ erscheinen, obwohl noch kleine Fremdgene vorhanden sind.

Während genetische Abstammungsnachweise eine sehr hohe Sicherheit bieten, halten sogenannte Reinrassigkeitszertifikate oft nicht, was sie versprechen. Warum das so ist, erläutern wir im Folgenden.

Grundprinzip

  • DNA-Tests zur Rassenerkennung beruhen auf SNP-Analysen (Single Nucleotide Polymorphisms).

  • Jede Hunderasse hat charakteristische Allelfrequenzen, die sie (statistisch) von anderen abgrenzen.

  • Algorithmen vergleichen die DNA eines Hundes mit Referenzpopulationen bekannter Rassen.

  • Genetische Einkreuzungen, die über die vierte Generation hinaus zurückliegen, sind molekulargenetisch in der Regel kaum mehr eindeutig nachweisbar

Was wissenschaftliche Studien zeigen

  • Parker et al., 2004 / 2017 (Science & Cell Reports):
    Genetische Analysen zeigen, dass sich viele Hunderassen tatsächlich anhand von DNA-Markern unterscheiden lassen. Rund 170.000 Marker erlauben eine klare Einordnung in Cluster von Rassen.

  • vonHoldt et al., 2010 (Nature):
    Reinrassige Hunde bilden meist genetisch kohärente Gruppen. Mischlinge lassen sich bis zu 3–4 Generationen zurück noch recht zuverlässig einer oder mehreren Rassen zuordnen.

  • Boyko et al., 2010 (PLoS Genetics):
    Genauigkeit hängt stark von der Größe und Qualität der Referenzdatenbank ab. Rassen mit guter Datenbasis sind zuverlässig zu erkennen, seltene oder genetisch verwandte Rassen können leicht verwechselt werden.

  • Wissenschaftliche Kritik:
    DNA-Tests können Reinrassigkeit nicht zu 100 % beweisen, sondern nur mit hoher Wahrscheinlichkeit bestätigen. Gründe:

    • Datenbanken decken nicht alle Rassen ab.

    • Genetische Überschneidungen (z. B. Schäferhund vs. Malinois - Beauceron vs Briard).

    • Fehlerwahrscheinlichkeit steigt bei komplexen Mischlingen.

Die Referenzpopulation entscheidet

Genlabore stützen ihre Reinrassigkeitsnachweise oft auf (zu) kleine Referenzgruppen – bei seltenen Rassen, wie dem Beauceron, meist 50 bis 100 Hunde aus Europa, Kanada, USA und Australien.

Kein  vom SKBF kontaktiertes Labor berücksichtigt Beaucerons aus Frankreich, dem Ursprungsland der Rasse.

Schlussfolgerung der Wissenschaft

  • Sehr zuverlässig für gängige, stark definierte Rassen.

  • Begrenzt zuverlässig bei seltenen oder genetisch ähnlichen Rassen (wie dem Beauceron).

  • Nicht gleichwertig zu einem Zuchtbuch/Abstammungsnachweis – da DNA-Tests nur statistisch arbeiten, keine genealogische Abstammung dokumentieren.

  • Wissenschaft sieht DNA-Rassetests daher eher als ergänzendes Werkzeug (z. B. bei Mischlingen, Forschung, Zuchtkontrolle), nicht als alleinigen Reinrassigkeitsbeweis.

Kurz gesagt:

Die Wissenschaft bestätigt, dass DNA-Analysen Rassezuordnungen zuverlässig leisten können, aber sie haben statistische Grenzen. Für den Alltag (z. B. Haustierhalter, Tierheim) sind sie oft völlig ausreichend. Für Zucht und Rechtliches gelten Stammbücher und Pedigrees weiterhin als Goldstandard. Einkreuzungen die über die vierte Generation hinaus zurückliegen, sind in der Regel kaum mehr eindeutig nachweisbar